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Dr. Gabi Pieke – Assoziationen zu Bildern von Max Fischer

Rezensionen

Dr. Gabi Pieke – Assoziationen zu Bildern von Max Fischer

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Verschleiern, verbergen und neugierig machen auf das, was hinter der Oberfläche steht, das sind Assoziationen, die mir beim Betrachten der Bilder von Max Fischer in den Sinn kommen. Narben, Risse, Krater, Staub, Wunden und selbst Brandspuren ziehen sich über die Fläche und der helle Rost der Zeit, verdeckt das, was darunter lebendig ist. Als Ägyptologin faszinieren mich diese unglaublich vielen Schichten im Bild, die Stratigraphie, in der man ein Darunter entdecken kann, um somit die Geschichte seiner Entstehung zu enträtseln. Gleichzeitig reizt mich der große Abwechslungsreichtum und die Kraft der Farben.

Die Vielschichtigkeit der Bilder weckt dabei das Interesse sowohl im buchstäblichen wie auch im metaphorischen Sinne: die vielen Ebenen in denen die Farben übereinander liegen und nur erahnen lassen, was darunter zu finden ist. So wird rückblickend selbst der Schaffensprozess zum reizvollen Moment und lässt den Betrachter neugierig fragend zurück. Gleichzeitig setzen die Spalten und Schollen die Phantasie frei, zu suchen und zu erkunden, was darunter liegt, welche Geschichten im Verborgenen bleiben und welche Zeit verdeckt wurde hinter den ersten flüchtigen Blicken. Dabei erzählen all  die unterschiedlichen Spuren und Risse viele Geschichten und sind Bilder der Erinnerung.

Die Flächen sind von Farbräumen aus hellen Tönen in weiß, rot, gelb, orange und grün bestimmt. In ihrer Unterschiedlichkeit und als freies Arrangement bilden sie alle zusammen eine Einheit: das Gartenzimmer. Die unterschiedlichen Techniken mit ihren Klecksen und Tupfen, den mit den Spachteln gezogenen und mit Sand vermischten Farben sowie den zeichnerischen Elementen erhöhen dabei gestalterisch die Spannung der Bilder. Es klingen Gräser, Blüten und Bäume an und öffnen Fenster in eine Welt, die hell und licht ist, von weißen und beigen Farbtönen bestimmt; lässt sich der Sommer erahnen. Aber neben dieser Leichtigkeit kommt auch das Schwarz der Erde, die Asche und ein Blutrot zu seinem Recht. Die helle Erde, die aufbricht, gibt Dinge frei und offenbart die Schätze aber auch Düsterheiten in ihrem Inneren.

Die Bilder Max Fischers erinnern an Luftbildarchäologie und vermitteln uns aus weiter Ferne eine Ahnung von Dingen in tieferen und älteren Ebenen. Auf den ersten Blick ist dieses Stratum nur zu erahnen, man muss es suchen beziehungsweise enträtseln, den Staub wegblasen und die Lebensperioden, die essentieller Bestandteil des Entstehungsprozesses sind, zurückrufen. Sie bilden die Basis für all das, was wir heute sehen. So gelingt es dem Maler den Blick zu öffnen und doch gleichzeitig den Dingen eine Leichtigkeit zu geben. Denn  bei all der Tiefe und den dunklen Stellen sprechen die Bilder von einer großen Helligkeit, Lebensfreude und positiver Kraft. Wer Lust hat sich darauf einzulassen, der findet in den Bildern Max Fischers eine Archäologie der Träume. Das der Erde abgerungene offenbart sich in dem, was wir selber darin sehen.

Dr. Gabriele Pieke,
Ausstellungskuratorin


Associations evoked by paintings of Max Fischer

The associations that come to my mind while contemplating paintings of Max Fischer are of a disguising, masking, hiding nature, wondering what is behind their surfaces. The surfaces of the paintings show signs of scars, cracks, craters, dust, wounds, and even burn marks while the light rust of time covers the vibrancy underneath. As an Egyptologist, I am fascinated by the many layers of the paintings, their stratigraphy, where layer after layer can be discovered and the story of their formation deciphered. At the same time I am intrigued by the rich variety and the power of the colors he uses.

The complex nature of the art works arouses our interest both literally and in a metaphorical sense, prompted by the many layers of successive colors which allow us to perceive what is below them. In retrospect, even the creative process becomes appealing and leaves the viewer intrigued with curiosity. At the same time, gaps and floes stimulate the fantasy to look for and to explore what lies below, which stories remain hidden, and what moment in time is concealed behind first fleeting glances. All the diverse traces and cracks tell many stories and are memorable images.

The surfaces of the canvases are defined by tones of white, red, yellow, orange, and green. In all their diversity and as a free arrangement they come together in a garden room. The different techniques with their blots and dots, their colors drawn out by a spatula and mixed with sand, and their elements of drawing increase the creative excitement of the pictures. They hint at grass, flowers and trees and open the window to a world, clear and bright, defined by white and beige shades. Summer appears to be imminent. But besides the lightness, the black of the earth, the ashes, and a crimson color come into their own. The pale earth opening up sets things free and reveals treasures but also misery.

Max Fischer´s paintings remind us of areal archeology and give us, visible from afar, a glimpse of things contained in deeper and older strata. At first glance, one can only imagine the stratum, one has to look for it, unravel it, blow away the dust and call back the time of life that has been a critical part of the process of painting. They form the foundation for all what we see now. The painter succeeds in opening our eyes and at the same time providing them with lightness. Despite all the depth and the dark spots the paintings radiate a great brightness, love of live and positive energy. If we desire to immerse ourselves, we find an archeology of dreams in the paintings of Max Fischer. That what is wrested from earth reveals what we imagine.

Dr. Gabriele Pieke,
exhibition curator

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